Die Musikpädagogin
Anneke
Petersen aus Porta Westfalica
war sechs Wochen in Nicaragua
unterwegs.
Instabile Netzleitungen verhinderten einen Anneke-Blog, darum hat sie
hier
ihre Reiseberichte für alle Interessierten, FreundInnen und
verwandten Seelen eingestellt.
6.
Januar 2007
Ein
fröhliches neues Jahr euch allen
und ein fröhliches Hallo zurück in Deutschland direkt
dazu.
Die zweite Halbzeit in Nicaragua war nochmal sehr spannend und ich habe
viel erlebt. Das kann ich euch natürlich nicht vorenthalten
und darum kommt jetzt nochmal eine letzte Mail, verfasst im grauen
Münster.
 |
 |
Die
Lagune de Apoyo
... liegt
ganz in der Nähe von
Granada und ist mit einer kleinen Wanderung von ca. 2 Stunden prima zu
erreichen.
|
Wir sind mit einigen anderen
Freiwilligen und Freunden und
Bekannten aus Granada dorthin gelaufen. Als die
Schotterstraße aufhörte stiegen wir
geschätze 100 Höhenmeter nach unten und zwischendurch
fiel mein Blick immer mal wieder auf einen riesigen tiefblauen See. Ein
Mar - eine Wasseransammlung in einem Vulkankrater. Niemand
weiß, wie
tief er genau ist, mindestens 200 Meter.
Wir haben uns
einer hübschen Bucht niedergelassen und
stürmten in das blaue glasklare Wasser. Stehen kann man nur
direkt am Rand, dann wird es direkt sehr tief. Als wir kurze Zeit
später beim Picknick saßen und dem Vogelgezwitscher
lauschten hörten wir plötzlich ein Getrappel, welches
von einer Kuhherde kam, die gerade den Berg hinunter getrabt kam und
sich in unsere Bucht breit machte. Es waren wohl so 30 - 40
Kühe die uns aufscheuchten und uns umrundeten und dann in dem
glasklaren Wasser ihre Geschäfte erledigten und sich
erfrischten.
| Nunja,
unsere Klamotten konnten wir retten und uns selbst
auch und die Herde verließ uns nach 10 Minuten wieder
unversehrt. Nur das Wasser war dann nicht mehr glasklar und
auch nicht
mehr blau und wir gingen lieber noch ne Bucht weiter. |
 |
 |
 |
 |
Der
Markt in Masaya
... ist eine tolle
Attraktion in der
Nachbarstadt von Granada. Hier gibt es alles, schön sortiert
nach Abteilungen, wie in einem Kaufhaus. Hutzelige Gänge
führen zwischen tausenden Ständen und
Verkäufern hindurch. Das schönste daran ist,
dass die
Händler ihr Geld direkt in die eigene Tasche wirtschaften und
sich ihren eigenen Arbeitsplatz schaffen, denn die sind rar, da es in
Nicaragua so gut wie keine Industrie gibt. |
VerkäuferInnen gibt
es aber auch an jeder Ecke mit den lustigesten Angeboten: Reis auf
Bananenblatt, kleine Tonvögel, Getränke in
Plastiktüten (da beisst man dann eine Ecke ab und nutzt das
Gefäß ähnlich wie einen Spritzbeutel)...
Was den Markt in Masaya noch von den anderen Märkten
unterscheidet ist, dass es hier eine Artesannia- Abteilung gibt mit
Schmuck, Tonarbeiten, Hängematten, Taschen... und drumherum
Handwerker, wie Tischler und Schuster. Ein buntes fröhliches
organisiertes Durcheinander!
Und ein großer Unterschied zu den hiesigen
Kaufhäusern: es gibt keine nervige, berieselnde
Dauerbeschallung und die Luft ist frisch!
Die
Vulkaninsel Ometepe
Dieser
Wochenendausflug zählt
definitiv zu den Höhepunkten meiner Reise. Nele, Tobi und ich
fuhren an einem Freitag morgen mit Bus, Taxi und Fähre zu der
Insel im Nicaraguasee. Die Insel besteht aus zwei Vulkanen - sehr
schön zu sehen bei Google Earth. Es gibt herrlich einsame
winzige Dörfer und tolle Strände und drei
"große" Straßen: eine um jeden Vulkan und eine die
die beiden verbindet. Wir haben auf einer Finca gewohnt, wo Kaffee
verarbeitet wird. |
 |
 |
Die Zimmer entsprachen sehr genau der
Beschreibung
meines Reiseführers: hyper simple. Aber mit hübschen
rosa Moskitonetzen. Auf Ometepe haben wir Karen getroffen, eine
Deutsche die seit 20 (?)
Jahren auf Ometepe lebt und dort in einem Jugendzentrum mitarbeitet und
auch andere Projekte in Nicaragua betreut und auch für
deutsche Organisationen arbeitet. Sie war eine tolle
Kontaktperson, die
uns Tipps geben konnte und uns sogar einen kleinen Ausflug organisiert
hat.
 |
 |
Am
Samstag
sind wir auf den kleineren der
beiden Vulkane gekraxelt zu dessen Füßen wir auch
wohnten. Ganz rauf bin ich leider nicht gekommen. Der Weg ging mitten
durch den Urwald über einen kleinen Trampelpfad und die ganze
Zeit steil hoch. Eine kleine Überforderung für meine
kaum vorhandene Kondition. Auf dem Rückweg begegneten wir noch
einer giftigen Schlange.
Das sie wirklich richtig giftig war haben wir dann erst auf der Finca
erfahren, denn wir haben sie natürlich fotografiert. |
Am Sonntag hatte Karen uns
dann den Ausflug organisiert. Morgens holten
uns 5 Jungs aus dem Ort ab und wir machten uns auf den Weg zu einem
Wasserfall (für Touristen normal nicht erreichbar). Leider
waren sie auch länger nicht mehr da gewesen und so haben wir
uns öftermal verlaufen und sind quer durch den Urwald
gelaufen, durch ein ausgetrocknetes Flusstal gekraxelt
und schließlich zum Glück auch angekommen.
Das war schon
toll! Auf dem Weg gab es diverse Bananenplantagen, Kakaopflanzen und
Orangen, wo wir immer mal eine kleine Wegzehrung mitgenommen haben.
Als wir gegen Nachmittag wieder in Balgue eintrudelten warte Karen
schon mit ner ganzen Truppe von Leuten und dem Pick Up auf uns, denn
wir sind zu einem Strand in der Nähe gefahren, wo wir dann vor
wunderbarer Kulisse noch Fußball gespielt haben, uns im See
erfrischten und dann Glühwürmchen gezählt
haben. (für Laura: ja, das ist die Karen.)
Catharina
und San Juan del Oriente
Auf der anderen
Seite der blauen Lagune liegen
einige kleine Orte, in denen viel Ton und Lehm verarbeitet wird. Tobi
brauchte Lehm um in der Theaterschule Masken zu bauen und darum sind
wir eines morgens mit dem Bus um die Lagune rum und den Berg rauf
gefahren nach San Juan del Oriente. Tobi hat dann 20 Kilo Lehm gekauft
in einer schon fast großen Werkstatt. Da gerade Mittagspause
war hat der Besitzer uns direkt noch den Werkstatt und diverse
Erzeugnisse gezeigt. Überall in dem kleinen Ort gibt
es
Töpfersachen zu kaufen - riesige Vasen, Glockenspiele... |
 |
 |
Ich bin dann noch ein Dorf weiter
gefahren, denn in Catharina gibt es
einen Aussichtspunkt von dem aus ich die Lagune, Granda und dahinter
den Nicaraguasee sehen konnte. Und ganz in der Nähe den tollen
Mombachu- Vulkan. Von der Hauptstraße hoch zum Aussichtspunkt
bin ich mit einem kleinen dreirädrigen motorisierten
Gefährt gefahren, die hier als Taxi dienen. Richtige Taxen
gibt es nicht. Niedlich.
Matagalpa und der Schwarzwald
Ich
bin in meiner
vorletzten Woche noch zwei
Tage nach Matagalpa gefahren, eine hübsche hügelige
Stadt im Norden. Da war es immer noch kühl und kühler
als gedacht. In Matagalpa gibt es ein Kaffeemuseum, wo in einem Raum
drei Ausstellungen sind: eine zu Kaffeeverarbeitung, eine von einer
Fairtrade-Organisation aus den Niederlanden und eine zu alten Vasen.
Interessante Kombination. In der
Nähe von Matagalpa gibt es den Selva Negra
(Schwarzwald).
Hier hat ein deutsches
Pärchen auf Einladung
der Regierung vor vielen Jahren eine Kaffeeplantage in Betrieb genommen
und mitten in den Wald zwei- drei Häuser im Schwarzwaldstil
gebaut. Dort gibt es ein Hotel und ein Restaurant mit "deutschen
Spezialitäten". Eigentlich sollte der Weg dorthin
durch Urwald
führen- deswegen war ich eigentlich auch gekommen - aber es
waren eigentlich nur einige große Bäume zwischen den
Kaffeeplantagen übrig geblieben.
Nunja. Der
See vor dem
Restaurant war ganz hübsch und der Besitzer
persönlich hat mich bedient, weil es an dem Morgen auch nur
fünf Gäste gab. Aber wir haben spanisch gesprochen -
sehr selbstverständlich. Matagalpa selbst war nicht so
spektakulär, erinnerte mich ein
wenig an Sarajevo, der Berge wegen.
 |
 |
Der
aktive Vulkan
Am 23. waren Tobi
und ich auf dem Masaya-
Vulkan, der noch aktiv ist. Das ist ganz schön spannend. Wir
konnten direkt bis zum Krater gehen, jedenfalls bis zum dem Zaun, der
ihn umzäunt damit niemand reinfällt. Er raucht und es
riecht schwefelig und merkwürdig und es rumort unter der Erde,
das habe ich richtig gespürt und gehört. Nachts kann
man wohl auch den Schein der Lava an den Wänden des Kraters
sehen. |
So lange sind wir leider nicht
geblieben. Nur den Sonnenuntergang
haben wir noch gesehen. Sehr eindrücklich und unheimlich.
| I
want to go to the seaside Am 25.12., also in der Woche
bis zu meinem
Rückflug, waren Tobi, Nele und ich am Pazifik. Nicht etwa in
der Urlaubsstadt San Juan del Sur (ja, hier gibt es viele San Juans)
sondern etwas nördlicher an einem einsamen Strand in einem
Surferclub. Der Surfclub war auch das einzige dort. Ab und zu wurde
mal etwas gekocht- aber recht sporadisch. Eigene Lebensmittel hatten
wir natürlich nicht dabei, da wir eigentlich in ein anderes
Camp in der Nähe wollten, wo es Essen geben sollte, welches
aber geschlossen war. |
 |
 |
Nunja, sie hatten freie Betten und
Wasser und den
Strand direkt, also direkt, vor dem Haus. Das war herrlich.
Tagsüber konnten wir am Meer entlang spazieren- Felsen und
feiner Sand und uns an einem einsamen Strand niederlassen. Es war ein
Paradies. Abends ging die Sonne traumhaft unter und wenn wir lange
genug wach waren auch der Mond, der dann wie ein Schiffchen auf dem
Wasser schwebt bevor er untergeht. Unglaublich
schön.
 |
 |
Strom
gab es nur solange wie der Solar-geladene Akku es zuließ,
manchmal bis 8, manchmal bis halb neun. Danach war es dunkel, bis auf
den hellen Mond. Wir sind bei Meeresrauschen eingeschlafen und
aufgewacht und als erstes morgens in die Wellen gestürmt. Ein
toller Abschluss! |
|
 |
|
 |
|
Den
letzen Abend in Nicaragua haben wir in San Juan
del Sur in einem hübschen Restaurant am Strand mit frischen
Pazifik-Fisch, Nica libre (Cola, Rum und Limette) und den ganzen
leckeren Spezialitäten wie Platanos, Bohnen und gebratenem
Salzkäse verbracht. |
Von dort aus
sind Tobi und ich dann nach Costa Rica gefahren, wo mein
Flug am letzten Freitag mich zurück nach Amsterdam
beförderte wo mich einige Stunden später mein Papa,
Aiko und Marieke freudig in Empfang nahmen. Das war auch
schön, bis auf das triste Grau, das nicht mehr
aufhören will.
...und
Weihnachten unter Palmen?
| Weihnachten ist
natürlich nicht
gleich Weihnachten. Bräuche wie wir sie kennen sind in
Nicargua leider nicht verbreitet. Feuerwerk gibt es an Heilig Abend um
24 Uhr- ohrenbetäubend und ohne viel Lichter. Adventskalender
und Adventskranz haben Tobi und ich der Familie erklärt und
sie waren hochbegeistert. In unserer Familie gab es zu
Weihnachten ein
besonderes Essen: gefülltes Schweinefleisch, ein wenig wie
eine riesige Roulade (dem Weihnachtsessen meiner richtigen Familie).
Aber das wurde dann wie immer nebenbei im Schaukelstuhl verzehrt. |
 |
 |
Nachmittags haben Tobi und ich einen
tollen Kuchen gebacken,
natürlich bei Nele, damit sie es nicht bemerken, mit
Schokolade und Zimtsternen verziert und dann abends feierlich mit
Wunderkerzen und "O du fröhliche" überreicht.
 |
 |
Unseren
Freund in der Pulperia haben wir noch kurz besucht und wir waren mit
einigen Freiwilligen schick essen. den späten Abend haben wir
dann in der Familie mit Schaukelstühlen vor dem Haus
verbracht, der CD-Player lieferte lustige Weihnachtslieder
dazu. |
Tagsüber
wollte wir eigentlich eine Fahrradtour zur blauen
Lagune machen und uns in der Hängematte an den See
hängen, aber da uns ein kleiner Erkältungsvirus
erwischt hatte der auch unsere Körpertemperatur etwas in die
Höhe trieb, blieben wir doch lieber zu Hause. So war das. Und
jetzt bin ich
glücklich und zufrieden wieder in Münster gelandet,
habe plötzlich einen neuen Mitbewohner, werde am Montag
hoffentlich den Brief mit meinem Thema für meine Examensarbeit
geschickt bekommen, mich auf meine praktischen Prüfungen in
Musik vorbereiten und die nächsten verrückten
Pläne aushecken. Ich freue mich über euer Interesse
an meinen Abenteuern und natürlich über
Rückmeldungen und Nachfragen, Fotobesuch-Anmeldungen, bunte
Dinge und einen Tipp wo ich Kochbananen kaufen kann.
Viele Grüße! Anneke
11.
Dezember
2006: Und ich dreh mich einmal um, da ist die halbe
Zeit rum.
 |
 |
Der
letzte Schultag
Der letzte Schultag
vor den grossen Ferien
wird in Nicaragua gerne grossartig zelebriert. So auch an der deutschen
Schule in Managua. Es versammeln sich morgens um 8 Uhr alle Kinder und
Jugendlichen und ihre Eltern in der Sporthalle, die gleichzeitig die
Aula ist.
Jede Klasse hat einen Beitrag zum Programm vorbereitet und
zwischendurch werden immer die besten SchuelerInnen aller Klassen und
die mit dem besten Sozialverhalten (wie auch immer das beurteilt wird)
geehrt und einzeln auf die Buehne gerufen.
|
Die Programmbeitraege
reichen von Klassenchoeren (begleitet von herrlich viel zu lautem
Playback), ueber hippe Taenze bishin zu einem flotten Salsa, den ein
Paerchen aus der zehnten Klasse getanzt hat (Mama, das haette dir
gefallen).
Auch eine Band hat gespielt, lustigerweise mit einzelnen
kleinen Verstaerkern fuer die Instrumente und dem Gesang ueber die
Hauptanlage, was auch hier eine unvorteilhafte Mischung darstellt.
Kroenung
waren nicht etwa die Rueckkopplungen, die immer mal wieder die
Haende zu den Ohren flitzen liessen, sondern das abschliessende
"Navidad, Navidad" (Jingle Bells- Melodie), gesungen von 80 2./3.-
Klaesslern und "begleitet" von einem ueber die Anlage verstaerkten
Keyboard, dessen beiden Spieler leider nicht dem Dirigat der
Musiklehrerin folgten sondern lieber permanent einen Takt hinterwankten
um dann beim Refrain umso heftiger in die Tasten zu kloppen.
|
 |
 |
Vermutlich hoert es sich alles jetzt
gerade schlimmer an, als es im
Endeffekt war. Es gab auch schoene Beitraege, mit echten Instrumenten
und schoenem Gesang. Trotzdem brauchten meine Ohren eine Weile, bis sie
den unglaublichen Laerm verarbeitet hatten.
 |
 |
Der
Tag in Leon
Leon ist eine recht
huebsche Stadt mit
Universitaet (aehnlich wie in Muenster quer durch die Stadt verteilt),
Fahrradweg mit Haltelinie und Verkehrsschild (Einzahl!) und extra
Geschaeften in denen es nur Plastikwaren gibt. Das heisst Tischdecken,
Baelle, Geschirr, eben alles, was aus Plastik sein kann. |
Angeblich soll
es in Leon noch heisser sein als in Granada, aber vermutlich spuere ich
in den Lagen den Temperaturunterschied einfach nicht. Ein Tag reichte
dann auch aus, um die Stadt zu erkunden, beziehungsweise das, was nach
der ganzen Busfahrerei noch uebrig geblieben ist.
Fuenf
Tage in Esteli
Uebers
Wochenende sind Tobi und ich mit
diversen Bussen. vielen Leuten in den Bussen, viel Gepaeck und viel
Zeit nach Esteli in den Norden von Nicaragua gefahren. Hier wohnt
Jana-Lena, eine Freundin von mir aus Billerbeck, die seit dem letzten
Jahr
hier arbeitet. (Kurz zu ihrer Arbeit: Sie ist von der Organisation
Eirene Friedensdienste hier und arbeitet in Werkstaetten fuer und mit
behinderten Menschen. Die koennen dort ihre Ausbildung machen und
verkaufen die Produkte aus Schreinerei, Kerzenwerkstatt, und vielen
mehr. Jana hat zudem eine kleine Theatergruppe mit aufgebaut.)
Da wir
spontan einen Tag eher gekommen sind, kamen wir unguenstig, da
im Haus von Jana gerade eine Seminarvorbereitung von ca. 13 deutschen
Freiwilligen aus ganz Nicaragua war. Das war erstmal lustig. Aber
dummerweise haben die auch alle dort gewohnt, so dass fuer uns kein
Platz mehr war und wir uns in einer Hospedaje einquartiert haben. Dort
habe ich meine erste Bekanntschaft mit Kakerlaken gemacht, wobei ich
erst am naechsten Tag erfahren hab, dass es nicht einfach dicke
schwarze Kaefer sind und meistens nicht einzeln auftreten. Nun gut, sie
war im Bett... =o)
Am
Samstagnachmittag haben Tobi und ich die
Familie von Lester besucht, das ist ein Junge aus Tobis Theaterschule.
Die Familie wohnt hier in Esteli in einem etwas aermeren Barrio. Das
Haus ist aus Holz gebaut, Fenster hab ich nicht gesehen, vielleicht an
der anderen Seite, und recht einfach. Die Mutter hat im Barrio einen
Kindergarten aufgebaut, den sie uns dann gezeigt hat. Und direkt hingen
diverse Kinder an mir und wir haben bischen Schnackes gemacht. Ging
sogar sehr gut ohne reden, dank der alten Theaterschule und Opas
Spasseleien, die auch hier witzig sind.
Hier ist es
ausserdem erfrischend kuehl, nicht
nur am Abend und am Morgen, sondern auch immer dann, wenn die Sonne mal
wieder hinter eine der zahlreichen Wolken kriecht. Scheinbar hab ich
mich also schon ganz gut an die Granada- Hitze gewoehnt, denn 25 Grad
sinds hier bestimmt auch. Aber Socken und lange Klamotten hatte ich zum
Glueck eingepackt! Am Sonntag war eine Auffuehrung von
Janas Theatergruppe im Park. Sie haben ein kleines Stueck von einem
goldliebenden Koenig gespielt und zwischendurch toll getanzt. Dank
kleiner Uebersetzungen von Tobi konnte ich die Geschichte auch
verstehen.
| Nachmittags
wollten wir zu einem Wasserfall in
der Naehe fahren. Er liegt in einem Naturreservat und man sollte
angeblich so 2 Stunden fuer die 5km lange Strecke brauchen, wenn man
laueft. Es war warm, die Sonne schien und die Sonnencreme lag
ungeschickter Weise zu Hause. Zum Glueck kam zwischendurch ein Pick Up,
der uns ein Stueck mitgenommen hat. Die Leute haben uns dann weiter den
Berg hoch und runter und wieder hoch geschickt, so circa 5 Kilometer
sollten es wohl noch sein bis zu unserem Ziel. |
 |
 |
|
 |
|
|
(Wir fahren bestimmt
schon 5 gefahren, irgendwas war also komisch.) Nungut, nach
40 Minuten
weiterer Wanderung kam ein Bus, der uns dann weitermitnahm und uns
schliesslich rausliess. Leider war da kein Wasserfall, da waren wir
scheinbar dran vorbei gelaufen oder gefahren. Aber es gab
einen
huebschen hohen Berg und einen schoenen Waldweg den Berg
hinauf. |
|
 |
Hier
war es doch schon bedeutend kuehler und langsam wurde das Wetter auch
schlechter und als wir schliesslich oben angekommen waren, war die
Aussicht noch zwei Minuten gut und dann war es wolkig und nass und
windig. Unten gab es kleines Cafe, leider auch draussen und ohne warmen
Apfelstrudel und heissen Kakao, dafuer mit Tee, der uns aber auch nicht
so recht aufzuwaermen vermochte.
 |
 |
Den
Rueckweg
verbrachten wir zum
Glueck wieder auf der Ladeflaeche eines anderen Pick Ups, denn den Weg
zu laufen waere nicht mehr moeglich gewesen. Da war die abendliche
Adventsfeier mit Adventstee, Adventskraenzchen,
Lebkuchen und dicker warmer Jacke genau richtig. Und gut schlafen
konnten wir auf jeden Fall auch.
Danach folgte noch ein
Urlaubstag, den ich
unter anderem nutzte, um diesen Bericht zu schreiben, faul in der
Haengematte zu liegen (endlich!)
|
und zu lesen und ein weiterer Tag mit
Besuch an Janas Arbeitsstelle, bevor ich dann wieder in den Bus
gestiegen bin. Dieser Bus brachte mich dann nach Somoto, einem kleinen
Staedtchen noch
weiter im Norden. Kaelter war es dort aber nicht, sondern endlich mal
sonnig und toll! Ich war am Rio Coco, dem groessten Fluss
Mittelamerikas, der in der Naehe der Quelle gedoch noch eine recht
nette Groesse hatte. Das war sehr toll und vor allem sehr
untouristisch. Die Leute die dort wohnen, nutzen den Fluss direkt als
Badezimmer und Waschkueche. Ich bin dann nett mit einigen Jungs
schwimmen gegangen- sehr erfrischend, aber auch etwas merkwuerdig, im
Badezimmer der Einheimischen...
| Am
Abend des
Urlaubstages ereignete sich dann noch etwas spannendes:
Wir sind mit einigen Leuten in die Berge gefahren zum Mond und Sterne
gucken. Dort oben war es eisig kalt und meine tolle neue Jacke kam
endlich voll zum Einsatz. Den Mond konnten wir auch toll sehen, die
Sterne leider nicht so, weil der Mond so hell war wie eine
Strassenlaterne. Unglaublich intensiv. |
 |
 |
Als wir schliesslich wieder
zurueckfahren wollten sprang ein Auto leider nicht mehr an.
Wir haben uns also tuechtig sportlich betaetigt, um das Gefaehrt durch
die Gegend zu schieben, es tat sich jedoch nichts. Unser Glueck war,
dass wir mit zwei Autos gefahren waren und so mit dem einen losfahren
konnten um noch ein abschlepptaugliches Auto zu holen. Da war ich mal
wieder froh, spaeter heile im Bett zu liegen.
 |
 |
Die
Einweihung des neuen Grundstuecks
Diego, der Gruender
der Theaterschule in der
Tobi arbeitet, hat vor kurzem ein neues Grundstueck erworben, auf dem
mit viel Unterstuetzung hoffentlich bald mit dem Bau einer neuen Schule
begonnen wird. |
Das Grundstueck ist etwas ausserhalb
der Stadt in einem
Stadtteil, in dem viele Kinder wohnen. In den Raeumen der neuen Schule
sollen dann unter anderem Kurse fuer diese Kinder angeboten werden, die
von den Jungs geleitet werden. Nachwuchsfoerderung sozusagen.
Die
Einweihung des Grundstuecks wurde mit einer kleinen Fiesta
gefeiert. Wir deutschen Freiwilligen (zu denen ich mich hier
ausnahmsweise auch kurz zaehle) haben "deutsches" Weihnachtsessen
beigesteuert (6 Kilo Nudelsalat, 10 Kilo Kartoffelsalat und 9
Zwiebelkuchen, deren Zubereitung ein grosser Spass war) und desweiteren
gab es Fleisch von mindestens 7 Schweinen und diverse einheimische
Delikatessen.
Nachmittags haben die Jungs ein Potpourri aus ihren
Programmen gezeigt, was vor allem die Nachbarskinder mit grossen Augen
vom Zaun her betrachtet haben. |
 |
 |
Kurz danach gab es leider ganz schoen
viel Regen und die Wiese wurde toll matschig und rutschig und die
Festgesellschaft kuschelte sich unter zwei Daechern zusammen. Aber es
war schoen.
Eine Bootstour
Heute, am Sonntag
dem zweiten Advent, habe wir
eine Bootstour gemacht. Im Nicaraguasee gibt es vor Granada circa 360
kleine Inselchen, teilweise bewohnt, teilweise nicht, teilweise nur aus
einem Baum oder einem Strommast bestehend. Kruemel (Foto) und Jan, zwei
Freunde aus Muenster waren an diesem Wochenende in Granada und so
liessen wir uns heute morgen gemuetlich von einem kleinen Boetchen
zwischen den Insel herumfahren. Sehr entspannt.
 |
 |
Die
Inseln sind meist in Privatbesitz, teilweise von recht wohlhabenden
Leuten, die ein schickes Haus draufgebaut haben und aber nur die Ferien
oder die Wochenenden hier verbringen. Aber auch bei diesen Exemplaren
lebt meist noch eine Nica-Familie mit auf der Insel, die sich um das
Haus kuemmert. Es gitb auch eine Schulinsel, eine Friedhofsinsel und
eine Kircheninsel fuer die 2600-Koepfe-Bevoelkerung. Insgesamt
fuehlte ich mich manchmal auch etwas an Lummerland oder Titiwu
erinnert... sehr huebsch. |
 |
 |
Der
zweite Kreativtag
Heute nachmittag
haben wir im Kulturzentrum
wieder einen Kreativtag angeboten. Diesmal haben wir Instrumente
gebastelt und toll gespielt, wieder diverse schoene Bilder gemalt und
auf einer langen Waescheleine praesentiert und es gab wieder ein
Puppentheater. Leider war die Aktion nicht so erfolgreich wie letztes
Mal, weil wir einfach weniger Kinder getroffen haben. Aber Igor, meine
kleine skurille gelbe Handpuppe, hatte auf jeden Fall seinen Spass und
war ein toller Kommunikator.
|
Ein Kind hat ihm eine Hose gebastelt,
damit er nicht so nackig rumlaufen muss.... =o)
Anstrengend war es auch ein bisschen,
da drei Leuten mittendrin einfiel,
sie koennten mal noch eben ein Puppentheaterstueck auf die Beine
stellen, was sie auch geschafft haben, waehrend wir die Kinderschar nur
noch zu dritt betreut haben. Und so toll war es leider am Ende nicht...
Aber gut, fuer die Kinder war es ein schoener Nachmittag.
Schmunzeleien
Letzte
Woche kam im
nicaragueensen Fernsehen
"Sister Act". Das wurde direkt mit einem genuesslich gemuetlichen
Fernsehabend zelebriert. Unsere Gastmama hat sich koestlich amuesiert,
Tobi hat sich ueber unsere Gastmama koestlich amuesiert und ich habe
fein Spanisch gelernt. Obwohl ich mich gleichzeitig nicht mehr an
meinen Text erinnern konnte. (Fuer alle, die es nicht wissen: Ich habe
2003 die Schwester Mary Roberts in der Produktion der Freilichtbuehne
Porta gespielt und deswegen eine besondere Beziehung zu dieser
Geschichte.) Ich war auch oefter verwirrt, weil ich zum Beispiel
Friedies Gesicht erwartet hatte, und dann kam da ploetzlich ein
anderes. Und auch der Vince sah ploetzlich wieder ganz anders aus als
in
meinem Gedaechtnis. Nur Conny, die war dabei!
Managua
ist
eine grosse Stadt und es gibt hier
unglaublich viele Taxen. Und doch ist es passiert: Eines Morgens in der
letzten Woche stand ich an der Strasse und winkte
mir ein Taxi herbei, handelte den Preis ordentlich runter und fragte
mich schon, warum der Fahrer so freundlich war. Dann sagte er
schliesslich: Na, dann steig mal ein, Anneke.
|
 |
 |
|
 |
|
| "Ups-
woher kennt der meinen Namen?" Und nicht nur meinen Namen,
sondern auch, wie viele Geschwister ich habe, was ich mache und woher
ich komme. Und als ich ihn naeher betrachtete viel mir auf, dass er
mich in der Woche zuvor schon mal durch die Gegend gefahren hatte. Ein
lustiger Mensch! Und eine lustige Fahrt zur Schule! |
|
 |
Adressen in
Nicaragua sind eine Sache fuer sich. Dabei ist alles so
nett quadratisch angeordnet und in vielen Staedten sind die Strassen
sogar durchgezaehlt und beschriftet. Trotzdem denken sich die Menschen
lieber lustige Adressbezeichnungen
aus. Ein schoenes Beispiel: In Managua stand ein Baum mitten auf der
Strasse, ob nun erst die Strasse da war oder erst der Baum weiss
niemand so genau. Jedenfalls sagte man gerne: "Vom Baum auf der Strasse
noch 2 Quadras nach Norden und dann links."
Eines Tages wurde der Baum gefaellt. Von da an
hiess die Adresse: "Von dort wo der Baum auf der Strasse stand..."
 |
 |
Heute
kann
man leider nicht mehr sehen, wo dieser Baum stand, die
Adresse heisst aber immer noch so. Taxifahrer sind ausserdem auch oft
ueberfordert, weil es gerne auch
mehrere Beschreibungen fuer einen Ort gibt, oder mehrere Orte mit
aehnlicher Beschreibung. Aber bisher bin ich ueberall
angekommen.
Busfahren ist trotzdem meistens noch etwas witziger, weil die Busse
hier nicht im Besitzt einer Firma sind, sondern im Privatbesitzt von
Leuten, die sich dann anmelden und mit ihrem Gefaehrt bestimmte
Strecken fahren.
|
Diese
Busse sind oft ganz huebsch gestaltet, bin
Speedy Gonzales Aufklebern, bunten Baendern und bunten Stangen,
Bibelspruechen am Dach, kleinen Figuren, Blinkelichtern, lustigen
Huptoenen,... So ist jeder Bus ein Unikat.
Mon,
27. Nov 2006 18:35:25
Geckos, Bohnen, Eiskaffee
Hola liebe Leute!
Jetzt endlich hatte ich mal Zeit und Strom und kann endlich meinen
Bericht fertigstellen... Die Fotos folgen, da ich im Moment noch nicht
raushab, wie ich die am geschicktesten schicke und die PCs gerade nicht
so fit sind.
Darum erstmal viel, viel Geschreibsel....
• Die
deutsche
Schule in Managua
•
Die Casa de los tres mundos
•
Ein paar
kurze Eindruecke zum Schmunzeln
Die
deutsche
Schule in Managua
Diese
Privatschule mit deutschem Schwerpunkt liegt ausserhalb der sehr
haesslichen Hauptstadt Managua, erreichbar mit dem Taxi oder diversen
sehr ueberfuellten Bussen. Eine weisse huebsche Mauer umgibt das
Terrain, auf dem viele einstoeckige Gebaeude zwischen viel gruen und
vielen Palmen stehen. Es ist ruhig, schattig, in jeder Klasse haengen
Ventilatoren und in dieser huebschen Oase toben Kinder und Jugendliche
von der 1. bis zur 11. bzw. 12. Klasse.
Es wird nicht
wie in anderen
deutschen Schulen nach deutschem Lehrplan unterrichtet. Es gibt auch
nur einige Faecher in deutsch, Ausnahme sind die Deutschklassen in der
Grundschule, die nur von deutschen Kindern besucht werden (in der 1./2.
Klasse sind das immerhin 6 Kinder- ein wunderbares Klassenklima!). Die
Nicas
lernen in der
Grundschule deutsch und ab der 5. Klasse werden die Klassen gemischt.
Mathe wird ab der vierten Klasse fuer alle auf deutsch unterrichtet,
was natuerlich nicht immer ganz glatt geht. So kommt es, dass ich
durchaus auf Spanisch was erklaere, was auch schon erstaunlich gut
klappt.
Musik ist
komplett auf Spanisch, Lieder werden meistens in
beiden Sprachen gesungen- zum Beispiel: Es ist fuer uns eine Zeit
angekommen,...uebers schneebedeckte Feld, wandern wir. Sehr absurd,
wenn draussen die Palmen im Winde wehen. Schade ist, dass es nur in der
Grundschule Musikunterricht gibt. Den Grund dafuer konnte ich auch noch
nicht so richtig rauskriegen.
Instrumente
sind hier auch eher
Mangelware, ausser Plastikblockfloeten und einem echt bloeden Klavier
hab ich in der Schule noch keine gefunden. Da ist meine Mundharmonika
echt ein Wertgegenstand. Auch im Matheunterricht gibt es wenig
Anschauungsmaterial. (Fuer meine Mitstudierenden und Maike:
Wuerfelgebaeude werden hier nicht gebaut, bevor sie gezeichnet
werden... die komplette enaktive Ebene wird also mal eben
ausgeblendet.) Das macht das Erklaeren nun nicht gerade
einfacher.
Ansonsten
sind die Kinder
hier nicht anders, gerne laut, gerne froehlich, gerne mal schnippisch
und halt Kinder. Die Sekretaerin hingegen aehnelt eher eine Furie als
einer Sekretaerin. An meinem ersten Morgen war sie die erste, die mir
begegnete und das "guten Morgen" was mir entgegenschetterte war alles
andere als freundlich und veranlasste mich beinahe, sofort wieder zu
gehen. Aber dann kam zum Glueck gerade der Schulleiter. =o)
 |
 |
Die
Lehrenden hier sind
teils Nicas, teils deutsche. Es gibt sowohl Leute, die fuer 2 Jahre
entsendet sind, als auch solche, die mal entsendet waren, denen es aber
so gut gefaellt, dass sie verlaengert haben, oder aber direkt an der
Schule angestellt sind. Sie sind mitunter sehr verrueckt und lustig,
meist sehr jung oder junggeblieben und so macht es eine feine
Atmosphaere im Lehrerzimmer. Im Unterricht merke ich derzeit leider
nicht soviel von der jungen Frische. Das koennte aber auch durchaus
daran liegen, dass die Ferien naechste Woche anfangen und einfach viel
gespielt und gespasst wird. |
Neben
der
Schule gibt es auch
einen Kindergarten, in dem es eine deutsche Gruppe gibt und vier
nicaragueense. In den Nica-Gruppen gibt es auch eine Art
Deutschunterricht, mit viel Liedchen, Karl der Ente und Dagmar dem Dino
und heute haben wir das Koerperteile- Lied gesungen. Letzte
Woche gab es einen
Sporttag, mit Volleyball, Basketball, Fussball, Schwimmen, Tanzen...
und es war alles freiwillig und trotzdem haben allle mitgemacht. Sie
konnten so ziemlich alles machen, wo sie Lust zu hatten, mit der
kleinen Auflage, nicht einfach aufzuhoeren, sondern bis zum Ende
mitzuspielen. Insgesamt auf jeden Fall eine tolle Stimmung und sehr
abguckenswuerdig (wenn ich mich da so an meine Bundesjugendspiel- und
Sporttag- Erfahrungen erinnere...)
| Der
Weg zur
Schule ist immer etwas aufwendiger, weil ich aus Granada
jeden Tag anch Managua fahre, da Managua einfach so haesslich und
unbequem ist, dass ich dort nicht wohnen will... Die Entfernung
entspricht der von Minden nach Bielefeld, allerdings mit dreimal
umsteigen: Fahrrad (oder zu Fuss) - Mircobus - Taxi (oder wahlweise Bus
und Bus). Busfahren kostet hier ca. 20 Cent, Taxifahren kann ich ab 50
Cent, zahle fuer ne Viertelstunde so 3,50 Euro, also den deutschen
Startpreis. Gut, ich muss zugeben, dass hier eben einfach am
Komfort
gespart wird und die Zeit auch recht unkalkulierbar ist. |
 |
 |
Taxifahrer
nehmen zum Beispiel gerne mehrere Leute mit verschiedenen Fahrtzielen
mit... Da lerne ich immer mal die Stadt kennen. Hier
weitere Infos zur
Schule
Die Casa de los tres mundos (Das
Haus der drei
Welten: Musik, Theater, Kunst)
Dies ist das Kulturzentrum in Granada, aufgebaut und finanziert von
Dietmar Schoenherr, dt. Schauspieler. Es sind auch immer recht viele
deutsche Leute hier zu Gange. Der Traegerverein "Pan y Arte" (Brot und
Kunst) sitzt in Muenster. In der Casa gibt es vier Freiwillige und
einen sehr engagierten Theatertypen, Carlos, mit denen ich ueber Tobi
oefter mal zu tun habe.
 |
 |
Jetzt
am Wochenende startete ein neues Projekt:
Das Kreativmobil, erstmal unmobil am Kulturzentrum in der Stadt,
spaeter hoffentlich auch mal in diversen anderen Stadteilen. Dies ist
im Gegensatz zu vielen anderen DIngen in der Casa umsonst und richtet
sich an alle Kinder und Familien, die gerade Spass dran haben.
Der Rest
des Kulturangebotes richtet sich leider eher an wohlhabendere Leute.
Neben dem Theater gibt es eine Musikschule und eine Freiwillige
unterrichtet Flamenco, es gibt Ausstellungen, Vortraege und bestimmt
noch viel mehr, von dem ich bisher nichts mitbekommen habe.
|
|
 |
|
 |
|
Das
Kreativmobil war sehr
schoen und auch in gewisser Weise kreativ: Wir hatten draussen Tische
aufgebaut, wo die Kinder malen, Puppen basteln und Masken basteln
konnten. Ausserdem wurde geschminkt, gespielt, es kam ein
Maerchenerzaehler und spaeter wurde noch ein Puppentheaterstueck
aufgefuehrt. |
Insgesamt war alles sehr impromaessig und auch
anstrengend, aber doch auch schoen. Fuer mich war es bischen bloed,
dass ich kein Spanisch spreche und es deswegen unglaublich viel
schwerer war, einen Draht zu den Kindern aufzubauen, als erwartet. Aber
fuer die Kinder war es insgesamt bestimmt ne feine Sache.
Infos
zum Kulturzentrum
Ein paar
kurze Eindruecke zum Schmunzeln
• Der
Papagei von den Nachbarn hoert sich manchmal an
wie Ina
Krueckemeier, wenn sie lacht. (Bestellt ihr mal schoene Gruesse, wenn
ihr sie seht...)
• In unserer
Kueche wohnen kleine Geckos, die an der
Decke
festgesaugt sind, sich gerne mal kabbeln, aber nie runterfallen und
sich morgends gerne mit unserem Papageien unterhalten.
• Der Nicaraguasee hat eine gefuehlte
Wassertemperatur von 36
Grad, der Pazifik angeblich auch (da war ich nun noch nicht). |
 |
 |
• Managua
ist eine einmalig haessliche, unangenehme
und
chaotische Stadt. Ich wollte die Geruechte zunaechst nicht glauben,
habe mich aber recht schnell selbst davon ueberzeugen koennen. Auch
hier gilt: Falls ihr versucht, euch diese Stadt vorzustellen: Vergesst
es, sie ist sowieso anders.
 |
 |
• Die
Pulperia Margerita (eine Art Kiosk) bei uns um
die Ecke
wird von einer sehr tollen Familie gefuehrt. Der Papa versucht gerne,
mir Spanisch beizubringen anhand seines Sortimentes, hat dann aber
soviel Mitleid, dass ich mir nicht alles merken kann, dass er lieber
einen kleinen Wettbewerb macht und er im Gegenzug Deutsch lernt.
|
Die
Tochter spielt Klavier und die beide Kinder haben frueher im Kinderchor
des ortsansaessigen Kulturzentrums ( s.o.) gesungen. So musizieren wir
auch gerne mal des abends und Tobi zockt auch mal ne Runde
Schach...
• zu
allen angebrachten und unangebrachten Anlaessen
werden
hier kleine Bands engagiert (Blaeser oder Marimba, oder auch beides),
die dann in herrlicher Lautstaerke lustig chaotisch jedoch immer sehr
stimmungsvoll musizieren, z.B. beim Schulabschluss, beim Geburstag der
Gastmama (da war eigentlich ein Auftritt um 5 Uhr morgens geplant, der
aber "leider" auf Abends verschoben werden musste.
• Partystimmung
heisst hier meistens: Plastikstuehle,
Plastikbecher, Neonlicht, laute Musik und diese ekelhafte Flackerlicht
(Ausnahmen bestaetigen auch hier die Regel, so dass ich auch durchaus
schon toll gefeiert habe, zum Beispiel in einem kleinen Laden hier in
Granada, mit einem huebschen, verwinkelten Innenhof.
• Ich hab die
Geruechte nicht geglaubt, aber viele
Maenner
hier sind doch recht flirtend unterwegs... hier ein Augenzwinkern, da
ein netter Gruß – andauernd.
|
 |
 |
Kroenung
war jedoch
ein
suesser Microbuschico (einer von den Typen, die im Microbus Leute und
Geld einsammeln und immer "granna, massaya, granna, massaya" rufen,
womit sie das Fahrtziel meinen), der mir sehr nett angeboten hat, dass
ich ihn mal kuessen duerfte - ich habe dann aber doch dankend
abgelehnt.
=o)
• Zur
Ernaehrung: Das Leitungswasser ist mit kleinen
Chlortabletten versetzt sehr genießbar, so dass ich mir das
Flaschenschleppen lieber spare. Es gibt auch Getraenke in kleinen
Plastikbeuteln auf der Strasse zu kaufen, aber da bin ich mir nicht
sicher, ob die entkeimt sind...
Nica-Essen ohne Bohnen gibt es nicht.
Mindestens Bohnenmus ist dabei.
Dafuer gibt es aber leckeren gebratenen Kaese, fritierte Kochbananen,
Pommes aus echten Kartoffeln, rote Beete und wenn Tobi und ich kochen
auch immer viel Gemuese. Obst gibt es auch in rauen Mengen und
unschlagbar guenstig und frisch - Ananas, Mango, Bananen, Orangen....
mam. Der Kaffee ist auch super - vor allem der Eiskaffee,
aehnlich
hergestellt wie dieses Slush-Monsterzeugs, nur eben mit Kaffee.
Nachmittags ein Hochgenuss!
•
Radfahren ist hier jedes Mal ein kleines Abenteuer: Licht,
Klingeln, Reflektoren etc. werden hier fuer ueberfluessig gehalten,
wichtig sind nur zwei Raeder, nen Lenker und ne Bremse- also immerhin
mehr als Pippi Langstrumpf. In dem
chaotischen Stadtverkehr gibt
es kaum schlaglochfreie Strassen, Ampel, Verkehrsschilder, die
allgemeine Beachtung finden oder gar ruecksichtsvolle Fahrer... Aber es
funktioniert.
• Loecher zum reinfallen (man
erinnere sich an meine
Lochgeschichte aus Bosnien) gibt es hier diverse, die meisten sind
allerdings nicht tief genug, als dass es sich lohnen wuerde. Dennoch
gehe ich meistens eher vorsichtig durch die Gegend.
Und
die
unschoenen Dinge:
Um euch zu beruhigen, ich schwebe hier nicht immer auf Wolke sieben.
Natuerlich gibt es durchaus auch unschoene Momente, zum Beispiel, wenn
ich mal wieder kein Wort verstehe, nicht weiss, in welchem Bus ich
gerade bin und nicht weiss, wo er mich hinbringen wird, wenn ich mit
Blasen an den Fuessen durch unwegsames Gelaende laufen muss, weil die
Alternative waere, alleine im Dunkeln umzudrehen oder wenn ich morgens
aufwache und unser Zimmer einfach so unglaublich heiss ist, dass ich
glaube, ich muss direkt in Ohnmacht fallen...
Das
bessert
sich jedoch,
sobald ich das Zimmer einfach verlasse. Und erstaunlicherweise ist es
draußen meistens noch etwas kuehler als im Haus. So,
insgesamt gehoere ich aber derzeit vermutlich zu den Top 100 der
gluecklichsten Menschen der Erde. Das tollste ist, das ich unglaublich
viel Zeit habe und es auch egal ist, wann ich wo ankomme, weil alle
anderen auch einfach dann kommen, wenn ihnen danach ist.
Gehabt euch wohl! Anneke
Thu,
16. Nov
2006 15:53:55 Ich bin angekommen!
| Hola
y buenos dias! Bis zu dem Zeitpunkt als das
Flugzeug in Amsterdam
den Duesenantreib anschaltete und startete, hatte ich immer noch
gedacht, es wuerde bestimmt was dazwischen kommen und ich wuerde hier
sowieso nicht hinfliegen... da hab ich mich selbst mal bischen gelinkt
=o) |
 |
 |
Ich
war
sogar in Miami- wenn
auch nur zum Iris- Foto machen lassen und Fingerabdruecke in die Kartei
aufnehmen lassen. In San Jose wurde ich trotz meiner Bemuehungen von
einer Meute Taxifahrer umzingelt, die mich des nachts gerne in
irgendein Hotel fahren wollten. Ich wollte aber eigentlich kein Hotel,
weil mein Bus schon um 5.30h losfuhr und es dann doch schon halb 2 war.
Da mir die Situation aber zunehmend suspekt wurde, habe ich mich
schliesslich einem oesterreichischen Paerchen angeschlossen und in
einem schicken Hotel 4 Stunden gewartet. Immerhin gab es einen schicken
Pool, aber leider durfte ich ihn des nachts nicht nutzen.
Schick
auch
die Hauptstadt Costa Ricas morgens um 6: da wurde es hell
und ich sah, dass rundherum ganz schoen tolle Berge und diverseste
Pflanzenarten den Weg saeumten, den wir im Bus zuruecklegten. Jose
Jose, ein Schlagerstar,
sorgte waehrend der Fahrt im Fernsehn fuer grandiose Unterhaltung. Die
Perspektive des Musikvideos war so geschickt eingestellt, dass es immer
so aussah, als ob der Schlagyzeuger dem Jose Jose auf den Kopf trommeln
wuerde.
Ein
netter
Herr sprach sogar etwas englisch und half mir so
ueber diverse Stolpersteine an der Grenze - mit Geld wechseln/
Wechselkurse aushandeln, Passformulare ausfuellen, mir erklaeren, wohin
ich meinen Rucksack tragen muss und warum der Bus einfach mal
ohne uns weg faehrt und zwei Stunden verschollen bleibt
(Polizeirazzia). Alles sehr spannend. Aber von der Grenze aus konnte
ich schon einen Vulkan sehen, einen der
beiden, die zusammen die Insel Ometepe im Nicaraguasee bilden. Der
raucht auch immer mal toll und sieht sehr gigantisch aus!
Kaum
war ich
schliesslich in Granada aus dem Bus gestiegen, umsaeumten
mich schon wieder diverse Taxistas. Diesmal war ich aber ganz dankbar,
denn der Bus haelt nicht etwa an einem zentralen Busbahnhof, sondern
irgendwo an einer Strassenecke, die ich in meinem Stadtplan nicht auf
Anhieb fand. Tobi hatte zuvor schon zwei Stuendchen hier auf mich
gewartet, leider wegen der Turbulenzen an der Grenze nicht lange
genug... Der Taxifahrer kannte leider auch die Adresse nicht, so dass
es ein lustiges Durchgefrage war, was im Endeffekt nicht mal einen Euro
gekostet hat. Aber schliesslich haben wir uns dann doch gefunden und
uns fein gefreut.
In Tobi Gastfamilie ist es auf jeden Fall sehr herzlich und lustig und
die beiden Schwestern die dort mit ihrer Mutter wohnen sind richtige
Frohnaturen. Desweiteren gehen immer mal Leute ein und aus, wo auch
Tobi nicht weiss, wer sie sind. Aber gut, hier gibts Bett, Dusche und
Kueche und Kuehlschrank und somit alles, was erstmal wichtig ist.
|
 |
Heute
bin ich mit
in der Theaterschule, wo Tobi gerade im Garten
"Bunny- Bunny" und "Hip-Hop- Zoom" zum aufwaermen (ha,ha) spielt. Nett
zu sehen, wie die Jungs auf die mir so vertrauten Spiele anspringen.
Falls
jetzt jemand von euch
versucht, sich vorzustellen, wie diese Schule so ist, dann macht euch
keine Muehe, sie ist sowieso anders! Aber es gibt einen huebsch
tropisch anmutenden Garten, ein kleines Paradies in diesem etwas
abgelegenen Stadtviertel von Granada (hier sind die Strassen dann auch
nicht mehr geteert und Autofahren waere bei Regen sicherlich eine
Schlammschlacht). |
Diese
Theaterschule ist
ungefaehr so organisiert: (diejenigen, die auch Tobis Mails bekommen,
koennen gerne ueberspringen) Es leben hier so 8 Jungs, die vormals ohne
Heimat auf der Strasse gelebt haben. Sie haben hier kleine Zimmer,
einen PC- Raum, den ich gerade auch nutzen darf, gehen morgens zur
Schule, mittags kocht eine nette Frau fuer sie und danach proben sie
Theater und Akrobatik. Tobi uebernimmt im Moment die theatralische
Arbeit, waehrend Nele, eine andere Freiwillige aus Lemgo, den
Akrobatikteil uebernimmt. Tobi probt im Garten, Nele in ihrer
Unterkunft in der Stadt, also eben da, wo gerade mal Platz ist-
bisschen impromaessig. Ziel ist gerade, ein Stueck zu erdenken und zu
gestalten, welches im naechsten Jahr auf der Kinderkulturkarawane in
Deutschland zu sehen sein wird. Thema, was sich die Jungs erdacht habe:
Korruption.
Es ist schon sehr spannend, zu sehen, mit welchen Mitteln hier so
gearbeitet wird. (Gerade hat mir die nette Kochdame einen echten
nicaragueensen Kaffee
gebracht- nicht zu vergleichen mit dem aus unserer muensteraner
Kaffezaubermaschine) In den naechsten Tagen bleibe ich jetzt erstmal in
Granada, hierher
werde ich auch immer mal wieder zurueckkommen. Erstmal gibt es jetzt
noch viele Leute zum kennenlernen und viele Kleinigkeiten zu erkunden.
Spater werde ich dann hier noch eine Sprachkurs machen und hier und da
etwas hospitieren. Ab Montag bin ich erstmal in der Hauptstadt Managua
und hospitiere dort
in der deutschen Schule- naechste Woche gibt es also vermutlich etwas
spannendere Dinge zu berichten!
Aber erstmal bin ich hier, mitten in den Tropen, in der Naehe von
Vulkanen und wundere mich immer mal wieder, wann ich denn wohl aus
meinem Traum aufwache =o)
liebe Gruesse! Anneke
|