Die Musikpädagogin Anneke Petersen aus Porta Westfalica war sechs Wochen in Nicaragua unterwegs. Instabile Netzleitungen verhinderten einen Anneke-Blog, darum hat sie hier ihre Reiseberichte für alle Interessierten, FreundInnen und verwandten Seelen eingestellt. 

6. Januar 2007
Ein fröhliches neues Jahr euch allen und ein fröhliches Hallo zurück in Deutschland direkt dazu.
Die zweite Halbzeit in Nicaragua war nochmal sehr spannend und ich habe viel erlebt. Das kann ich euch natürlich nicht vorenthalten und darum kommt jetzt nochmal eine letzte Mail, verfasst im grauen Münster.

Ich berichte über Ausflüge
• zur blauen Vulkanlagune
• zum Markt in Masaya
• zur Vulkaninsel Ometepe
• nach Catharina und San Juan del Oriente
• nach Matagalpa, der Kaffeestadt
• zu einem aktiven Vulkan
• zur Pazifikküste
und über unser Weihnachtsfest.


Die Lagune de Apoyo
... liegt ganz in der Nähe von Granada und ist mit einer kleinen Wanderung von ca. 2 Stunden prima zu erreichen.

Wir sind mit einigen anderen Freiwilligen und Freunden und Bekannten aus Granada dorthin gelaufen. Als die Schotterstraße aufhörte stiegen wir geschätze 100 Höhenmeter nach unten und zwischendurch fiel mein Blick immer mal wieder auf einen riesigen tiefblauen See. Ein Mar - eine Wasseransammlung in einem Vulkankrater. Niemand weiß, wie tief er genau ist, mindestens 200 Meter.

Wir haben uns einer hübschen Bucht niedergelassen und stürmten in das blaue glasklare Wasser. Stehen kann man nur direkt am Rand, dann wird es direkt sehr tief. Als wir kurze Zeit später beim Picknick saßen und dem Vogelgezwitscher lauschten hörten wir plötzlich ein Getrappel, welches von einer Kuhherde kam, die gerade den Berg hinunter getrabt kam und sich in unsere Bucht breit machte. Es waren wohl so 30 - 40 Kühe die uns aufscheuchten und uns umrundeten und dann in dem glasklaren Wasser ihre Geschäfte erledigten und sich erfrischten.

Nunja, unsere Klamotten konnten wir retten und uns selbst auch und die Herde verließ uns nach 10 Minuten wieder unversehrt. Nur das Wasser war dann nicht mehr glasklar und auch nicht mehr blau und wir gingen lieber noch ne Bucht weiter.

Der Markt in Masaya
... ist eine tolle Attraktion in der Nachbarstadt von Granada. Hier gibt es alles, schön sortiert nach Abteilungen, wie in einem Kaufhaus. Hutzelige Gänge führen zwischen tausenden Ständen und Verkäufern hindurch. Das schönste daran ist, dass die Händler ihr Geld direkt in die eigene Tasche wirtschaften und sich ihren eigenen Arbeitsplatz schaffen, denn die sind rar, da es in Nicaragua so gut wie keine Industrie gibt.

 VerkäuferInnen gibt es aber auch an jeder Ecke mit den lustigesten Angeboten: Reis auf Bananenblatt, kleine Tonvögel, Getränke in Plastiktüten (da beisst man dann eine Ecke ab und nutzt das Gefäß ähnlich wie einen Spritzbeutel)...
Was den Markt in Masaya noch von den anderen Märkten unterscheidet ist, dass es hier eine Artesannia- Abteilung gibt mit Schmuck, Tonarbeiten, Hängematten, Taschen... und drumherum Handwerker, wie Tischler und Schuster. Ein buntes fröhliches organisiertes Durcheinander!
Und ein großer Unterschied zu den hiesigen Kaufhäusern: es gibt keine nervige, berieselnde Dauerbeschallung und die Luft ist frisch!


Die Vulkaninsel Ometepe
Dieser Wochenendausflug zählt definitiv zu den Höhepunkten meiner Reise. Nele, Tobi und ich fuhren an einem Freitag morgen mit Bus, Taxi und Fähre zu der Insel im Nicaraguasee. Die Insel besteht aus zwei Vulkanen - sehr schön zu sehen bei Google Earth. Es gibt herrlich einsame winzige Dörfer und tolle Strände und drei "große" Straßen: eine um jeden Vulkan und eine die die beiden verbindet. Wir haben auf einer Finca gewohnt, wo Kaffee verarbeitet wird.

Die Zimmer entsprachen sehr genau der Beschreibung meines Reiseführers: hyper simple. Aber mit hübschen rosa Moskitonetzen. Auf Ometepe haben wir Karen getroffen, eine Deutsche die seit 20 (?) Jahren auf Ometepe lebt und dort in einem Jugendzentrum mitarbeitet und auch andere Projekte in Nicaragua betreut und auch für deutsche Organisationen arbeitet. Sie war eine tolle Kontaktperson, die uns Tipps geben konnte und uns sogar einen kleinen Ausflug organisiert hat. 

Am Samstag sind wir auf den kleineren der beiden Vulkane gekraxelt zu dessen Füßen wir auch wohnten. Ganz rauf bin ich leider nicht gekommen. Der Weg ging mitten durch den Urwald über einen kleinen Trampelpfad und die ganze Zeit steil hoch. Eine kleine Überforderung für meine kaum vorhandene Kondition. Auf dem Rückweg begegneten wir noch einer giftigen Schlange. Das sie wirklich richtig giftig war haben wir dann erst auf der Finca erfahren, denn wir haben sie natürlich fotografiert.

 Am Sonntag hatte Karen uns dann den Ausflug organisiert. Morgens holten uns 5 Jungs aus dem Ort ab und wir machten uns auf den Weg zu einem Wasserfall (für Touristen normal nicht erreichbar). Leider waren sie auch länger nicht mehr da gewesen und so haben wir uns öftermal verlaufen und sind quer durch den Urwald gelaufen, durch ein ausgetrocknetes Flusstal gekraxelt und schließlich zum Glück auch angekommen. Das war schon toll! Auf dem Weg gab es diverse Bananenplantagen, Kakaopflanzen und Orangen, wo wir immer mal eine kleine Wegzehrung mitgenommen haben.
Als wir gegen Nachmittag wieder in Balgue eintrudelten warte Karen schon mit ner ganzen Truppe von Leuten und dem Pick Up auf uns, denn wir sind zu einem Strand in der Nähe gefahren, wo wir dann vor wunderbarer Kulisse noch Fußball gespielt haben, uns im See erfrischten und dann Glühwürmchen gezählt haben. (für Laura: ja, das ist die Karen.)

Catharina und San Juan del Oriente
Auf der anderen Seite der blauen Lagune liegen einige kleine Orte, in denen viel Ton und Lehm verarbeitet wird. Tobi brauchte Lehm um in der Theaterschule Masken zu bauen und darum sind wir eines morgens mit dem Bus um die Lagune rum und den Berg rauf gefahren nach San Juan del Oriente. Tobi hat dann 20 Kilo Lehm gekauft in einer schon fast großen Werkstatt. Da gerade Mittagspause war hat der Besitzer uns direkt noch den Werkstatt und diverse Erzeugnisse gezeigt. Überall in dem kleinen Ort gibt es Töpfersachen zu kaufen - riesige Vasen, Glockenspiele...

Ich bin dann noch ein Dorf weiter gefahren, denn in Catharina gibt es einen Aussichtspunkt von dem aus ich die Lagune, Granda und dahinter den Nicaraguasee sehen konnte. Und ganz in der Nähe den tollen Mombachu- Vulkan. Von der Hauptstraße hoch zum Aussichtspunkt bin ich mit einem kleinen dreirädrigen motorisierten Gefährt gefahren, die hier als Taxi dienen. Richtige Taxen gibt es nicht. Niedlich.

Matagalpa und der Schwarzwald

Ich bin in meiner vorletzten Woche noch zwei Tage nach Matagalpa gefahren, eine hübsche hügelige Stadt im Norden. Da war es immer noch kühl und kühler als gedacht. In Matagalpa gibt es ein Kaffeemuseum, wo in einem Raum drei Ausstellungen sind: eine zu Kaffeeverarbeitung, eine von einer Fairtrade-Organisation aus den Niederlanden und eine zu alten Vasen. Interessante Kombination. In der Nähe von Matagalpa gibt es den Selva Negra (Schwarzwald).

Hier hat ein deutsches Pärchen auf Einladung der Regierung vor vielen Jahren eine Kaffeeplantage in Betrieb genommen und mitten in den Wald zwei- drei Häuser im Schwarzwaldstil gebaut. Dort gibt es ein Hotel und ein Restaurant mit "deutschen Spezialitäten". Eigentlich sollte der Weg dorthin durch Urwald führen- deswegen war ich eigentlich auch gekommen - aber es waren eigentlich nur einige große Bäume zwischen den Kaffeeplantagen übrig geblieben.

Nunja. Der See vor dem Restaurant war ganz hübsch und der Besitzer persönlich hat mich bedient, weil es an dem Morgen auch nur fünf Gäste gab. Aber wir haben spanisch gesprochen - sehr selbstverständlich. Matagalpa selbst war nicht so spektakulär, erinnerte mich ein wenig an Sarajevo, der Berge wegen.

  Der aktive Vulkan
Am 23. waren Tobi und ich auf dem Masaya- Vulkan, der noch aktiv ist. Das ist ganz schön spannend. Wir konnten direkt bis zum Krater gehen, jedenfalls bis zum dem Zaun, der ihn umzäunt damit niemand reinfällt. Er raucht und es riecht schwefelig und merkwürdig und es rumort unter der Erde, das habe ich richtig gespürt und gehört. Nachts kann man wohl auch den Schein der Lava an den Wänden des Kraters sehen. 

So lange sind wir leider nicht geblieben. Nur den Sonnenuntergang haben wir noch gesehen. Sehr eindrücklich und unheimlich.

 I want to go to the seaside Am 25.12., also in der Woche bis zu meinem Rückflug, waren Tobi, Nele und ich am Pazifik. Nicht etwa in der Urlaubsstadt San Juan del Sur (ja, hier gibt es viele San Juans) sondern etwas nördlicher an einem einsamen Strand in einem Surferclub. Der Surfclub war auch das einzige dort. Ab und zu wurde mal etwas gekocht- aber recht sporadisch. Eigene Lebensmittel hatten wir natürlich nicht dabei, da wir eigentlich in ein anderes Camp in der Nähe wollten, wo es Essen geben sollte, welches aber geschlossen war. 

Nunja, sie hatten freie Betten und Wasser und den Strand direkt, also direkt, vor dem Haus. Das war herrlich. Tagsüber konnten wir am Meer entlang spazieren- Felsen und feiner Sand und uns an einem einsamen Strand niederlassen. Es war ein Paradies. Abends ging die Sonne traumhaft unter und wenn wir lange genug wach waren auch der Mond, der dann wie ein Schiffchen auf dem Wasser schwebt bevor er untergeht. Unglaublich schön. 

  Strom gab es nur solange wie der Solar-geladene Akku es zuließ, manchmal bis 8, manchmal bis halb neun. Danach war es dunkel, bis auf den hellen Mond. Wir sind bei Meeresrauschen eingeschlafen und aufgewacht und als erstes morgens in die Wellen gestürmt. Ein toller Abschluss!  
Den letzen Abend in Nicaragua haben wir in San Juan del Sur in einem hübschen Restaurant am Strand mit frischen Pazifik-Fisch, Nica libre (Cola, Rum und Limette) und den ganzen leckeren Spezialitäten wie Platanos, Bohnen und gebratenem Salzkäse verbracht.

Von dort aus sind Tobi und ich dann nach Costa Rica gefahren, wo mein Flug am letzten Freitag mich zurück nach Amsterdam beförderte wo mich einige Stunden später mein Papa, Aiko und Marieke freudig in Empfang nahmen. Das war auch schön, bis auf das triste Grau, das nicht mehr aufhören will.

 

...und Weihnachten unter Palmen?

Weihnachten ist natürlich nicht gleich Weihnachten. Bräuche wie wir sie kennen sind in Nicargua leider nicht verbreitet. Feuerwerk gibt es an Heilig Abend um 24 Uhr- ohrenbetäubend und ohne viel Lichter. Adventskalender und Adventskranz haben Tobi und ich der Familie erklärt und sie waren hochbegeistert. In unserer Familie gab es zu Weihnachten ein besonderes Essen: gefülltes Schweinefleisch, ein wenig wie eine riesige Roulade (dem Weihnachtsessen meiner richtigen Familie). Aber das wurde dann wie immer nebenbei im Schaukelstuhl verzehrt.

Nachmittags haben Tobi und ich einen tollen Kuchen gebacken, natürlich bei Nele, damit sie es nicht bemerken, mit Schokolade und Zimtsternen verziert und dann abends feierlich mit Wunderkerzen und "O du fröhliche" überreicht.

Unseren Freund in der Pulperia haben wir noch kurz besucht und wir waren mit einigen Freiwilligen schick essen. den späten Abend haben wir dann in der Familie mit Schaukelstühlen vor dem Haus verbracht, der CD-Player lieferte lustige Weihnachtslieder dazu. 

Tagsüber wollte wir eigentlich eine Fahrradtour zur blauen Lagune machen und uns in der Hängematte an den See hängen, aber da uns ein kleiner Erkältungsvirus erwischt hatte der auch unsere Körpertemperatur etwas in die Höhe trieb, blieben wir doch lieber zu Hause. So war das. Und jetzt bin ich glücklich und zufrieden wieder in Münster gelandet, habe plötzlich einen neuen Mitbewohner, werde am Montag hoffentlich den Brief mit meinem Thema für meine Examensarbeit geschickt bekommen, mich auf meine praktischen Prüfungen in Musik vorbereiten und die nächsten verrückten Pläne aushecken. Ich freue mich über euer Interesse an meinen Abenteuern und natürlich über Rückmeldungen und Nachfragen, Fotobesuch-Anmeldungen, bunte Dinge und einen Tipp wo ich Kochbananen kaufen kann.

Viele Grüße! Anneke

11. Dezember 2006: Und ich dreh mich einmal um, da ist die halbe Zeit rum.

Hallo ihr Lieben!
Es gibt schon wieder viel zu berichten. Diesmal geht es um
• den letzten Schultag in Managua
• einen Tag in Leon
• meine Zeit in Esteli
• die Einweihung des neuen Grundstuecks
• eine Bootstour
• den zweiten Kreativtag
• Schmunzeleien
und natürlich um kleine Anekdoten und Schmunzeleien.

Der letzte Schultag
Der letzte Schultag vor den grossen Ferien wird in Nicaragua gerne grossartig zelebriert. So auch an der deutschen Schule in Managua. Es versammeln sich morgens um 8 Uhr alle Kinder und Jugendlichen und ihre Eltern in der Sporthalle, die gleichzeitig die Aula ist.
Jede Klasse hat einen Beitrag zum Programm vorbereitet und zwischendurch werden immer die besten SchuelerInnen aller Klassen und die mit dem besten Sozialverhalten (wie auch immer das beurteilt wird) geehrt und einzeln auf die Buehne gerufen.
Die Programmbeitraege reichen von Klassenchoeren (begleitet von herrlich viel zu lautem Playback), ueber hippe Taenze bishin zu einem flotten Salsa, den ein Paerchen aus der zehnten Klasse getanzt hat (Mama, das haette dir gefallen).
Auch eine Band hat gespielt, lustigerweise mit einzelnen kleinen Verstaerkern fuer die Instrumente und dem Gesang ueber die Hauptanlage, was auch hier eine unvorteilhafte Mischung darstellt.

Kroenung waren nicht etwa die Rueckkopplungen, die immer mal wieder die Haende zu den Ohren flitzen liessen, sondern das abschliessende "Navidad, Navidad" (Jingle Bells- Melodie), gesungen von 80 2./3.- Klaesslern und "begleitet" von einem ueber die Anlage verstaerkten Keyboard, dessen beiden Spieler leider nicht dem Dirigat der Musiklehrerin folgten sondern lieber permanent einen Takt hinterwankten um dann beim Refrain umso heftiger in die Tasten zu kloppen.

Vermutlich hoert es sich alles jetzt gerade schlimmer an, als es im Endeffekt war. Es gab auch schoene Beitraege, mit echten Instrumenten und schoenem Gesang. Trotzdem brauchten meine Ohren eine Weile, bis sie den unglaublichen Laerm verarbeitet hatten.

Der Tag in Leon
Leon ist eine recht huebsche Stadt mit Universitaet (aehnlich wie in Muenster quer durch die Stadt verteilt), Fahrradweg mit Haltelinie und Verkehrsschild (Einzahl!) und extra Geschaeften in denen es nur Plastikwaren gibt. Das heisst Tischdecken, Baelle, Geschirr, eben alles, was aus Plastik sein kann.

Angeblich soll es in Leon noch heisser sein als in Granada, aber vermutlich spuere ich in den Lagen den Temperaturunterschied einfach nicht. Ein Tag reichte dann auch aus, um die Stadt zu erkunden, beziehungsweise das, was nach der ganzen Busfahrerei noch uebrig geblieben ist. 

Fuenf Tage in Esteli

Uebers Wochenende sind Tobi und ich mit diversen Bussen. vielen Leuten in den Bussen, viel Gepaeck und viel Zeit nach Esteli in den Norden von Nicaragua gefahren. Hier wohnt Jana-Lena, eine Freundin von mir aus Billerbeck, die seit dem letzten Jahr hier arbeitet. (Kurz zu ihrer Arbeit: Sie ist von der Organisation Eirene Friedensdienste hier und arbeitet in Werkstaetten fuer und mit behinderten Menschen. Die koennen dort ihre Ausbildung machen und verkaufen die Produkte aus Schreinerei, Kerzenwerkstatt, und vielen mehr. Jana hat zudem eine kleine Theatergruppe mit aufgebaut.) 

Da wir spontan einen Tag eher gekommen sind, kamen wir unguenstig, da im Haus von Jana gerade eine Seminarvorbereitung von ca. 13 deutschen Freiwilligen aus ganz Nicaragua war. Das war erstmal lustig. Aber dummerweise haben die auch alle dort gewohnt, so dass fuer uns kein Platz mehr war und wir uns in einer Hospedaje einquartiert haben. Dort habe ich meine erste Bekanntschaft mit Kakerlaken gemacht, wobei ich erst am naechsten Tag erfahren hab, dass es nicht einfach dicke schwarze Kaefer sind und meistens nicht einzeln auftreten. Nun gut, sie war im Bett... =o)

Am Samstagnachmittag haben Tobi und ich die Familie von Lester besucht, das ist ein Junge aus Tobis Theaterschule. Die Familie wohnt hier in Esteli in einem etwas aermeren Barrio. Das Haus ist aus Holz gebaut, Fenster hab ich nicht gesehen, vielleicht an der anderen Seite, und recht einfach. Die Mutter hat im Barrio einen Kindergarten aufgebaut, den sie uns dann gezeigt hat. Und direkt hingen diverse Kinder an mir und wir haben bischen Schnackes gemacht. Ging sogar sehr gut ohne reden, dank der alten Theaterschule und Opas Spasseleien, die auch hier witzig sind.  

Hier ist es ausserdem erfrischend kuehl, nicht nur am Abend und am Morgen, sondern auch immer dann, wenn die Sonne mal wieder hinter eine der zahlreichen Wolken kriecht. Scheinbar hab ich mich also schon ganz gut an die Granada- Hitze gewoehnt, denn 25 Grad sinds hier bestimmt auch. Aber Socken und lange Klamotten hatte ich zum Glueck eingepackt! Am Sonntag war eine Auffuehrung  von Janas Theatergruppe im Park. Sie haben ein kleines Stueck von einem goldliebenden Koenig gespielt und zwischendurch toll getanzt. Dank kleiner Uebersetzungen von Tobi konnte ich die Geschichte auch verstehen.

Nachmittags wollten wir zu einem Wasserfall in der Naehe fahren. Er liegt in einem Naturreservat und man sollte angeblich so 2 Stunden fuer die 5km lange Strecke brauchen, wenn man laueft. Es war warm, die Sonne schien und die Sonnencreme lag ungeschickter Weise zu Hause. Zum Glueck kam zwischendurch ein Pick Up, der uns ein Stueck mitgenommen hat. Die Leute haben uns dann weiter den Berg hoch und runter und wieder hoch geschickt, so circa 5 Kilometer sollten es wohl noch sein bis zu unserem Ziel.
(Wir fahren bestimmt schon 5 gefahren, irgendwas war also komisch.) Nungut, nach 40 Minuten weiterer Wanderung kam ein Bus, der uns dann weitermitnahm und uns schliesslich rausliess. Leider war da kein Wasserfall, da waren wir scheinbar dran vorbei gelaufen oder gefahren. Aber es gab einen huebschen hohen Berg und einen schoenen Waldweg den Berg hinauf. 

Hier war es doch schon bedeutend kuehler und langsam wurde das Wetter auch schlechter und als wir schliesslich oben angekommen waren, war die Aussicht noch zwei Minuten gut und dann war es wolkig und nass und windig. Unten gab es kleines Cafe, leider auch draussen und ohne warmen Apfelstrudel und heissen Kakao, dafuer mit Tee, der uns aber auch nicht so recht aufzuwaermen vermochte.

Den Rueckweg verbrachten wir zum Glueck wieder auf der Ladeflaeche eines anderen Pick Ups, denn den Weg zu laufen waere nicht mehr moeglich gewesen. Da war die abendliche Adventsfeier mit Adventstee, Adventskraenzchen, Lebkuchen und dicker warmer Jacke genau richtig. Und gut schlafen konnten wir auf jeden Fall auch.
Danach folgte noch ein Urlaubstag, den ich unter anderem nutzte, um diesen Bericht zu schreiben, faul in der Haengematte zu liegen (endlich!)
und zu lesen und ein weiterer Tag mit Besuch an Janas Arbeitsstelle, bevor ich dann wieder in den Bus gestiegen bin. Dieser Bus brachte mich dann nach Somoto, einem kleinen Staedtchen noch weiter im Norden. Kaelter war es dort aber nicht, sondern endlich mal sonnig und toll! Ich war am Rio Coco, dem groessten Fluss Mittelamerikas, der in der Naehe der Quelle gedoch noch eine recht nette Groesse hatte. Das war sehr toll und vor allem sehr untouristisch. Die Leute die dort wohnen, nutzen den Fluss direkt als Badezimmer und Waschkueche. Ich bin dann nett mit einigen Jungs schwimmen gegangen- sehr erfrischend, aber auch etwas merkwuerdig, im Badezimmer der Einheimischen...

Am Abend des Urlaubstages ereignete sich dann noch etwas spannendes: Wir sind mit einigen Leuten in die Berge gefahren zum Mond und Sterne gucken. Dort oben war es eisig kalt und meine tolle neue Jacke kam endlich voll zum Einsatz. Den Mond konnten wir auch toll sehen, die Sterne leider nicht so, weil der Mond so hell war wie eine Strassenlaterne. Unglaublich intensiv. 
Als wir schliesslich wieder zurueckfahren wollten sprang  ein Auto leider nicht mehr an. Wir haben uns also tuechtig sportlich betaetigt, um das Gefaehrt durch die Gegend zu schieben, es tat sich jedoch nichts. Unser Glueck war, dass wir mit zwei Autos gefahren waren und so mit dem einen losfahren konnten um noch ein abschlepptaugliches Auto zu holen. Da war ich mal wieder froh, spaeter heile im Bett zu liegen.

Die Einweihung des neuen Grundstuecks
Diego, der Gruender der Theaterschule in der Tobi arbeitet, hat vor kurzem ein neues Grundstueck erworben, auf dem mit viel Unterstuetzung hoffentlich bald mit dem Bau einer neuen Schule begonnen wird. 

Das Grundstueck ist etwas ausserhalb der Stadt in einem Stadtteil, in dem viele Kinder wohnen. In den Raeumen der neuen Schule sollen dann unter anderem Kurse fuer diese Kinder angeboten werden, die von den Jungs geleitet werden. Nachwuchsfoerderung sozusagen.

Die Einweihung des Grundstuecks wurde mit einer kleinen Fiesta gefeiert. Wir deutschen Freiwilligen (zu denen ich mich hier ausnahmsweise auch kurz zaehle) haben "deutsches" Weihnachtsessen beigesteuert (6 Kilo Nudelsalat, 10 Kilo Kartoffelsalat und 9 Zwiebelkuchen, deren Zubereitung ein grosser Spass war) und desweiteren gab es Fleisch von mindestens 7 Schweinen und diverse einheimische Delikatessen.
Nachmittags haben die Jungs ein Potpourri aus ihren Programmen gezeigt, was vor allem die Nachbarskinder mit grossen Augen vom Zaun her betrachtet haben. 

Kurz danach gab es leider ganz schoen viel Regen und die Wiese wurde toll matschig und rutschig und die Festgesellschaft kuschelte sich unter zwei Daechern zusammen. Aber es war schoen.

Eine Bootstour
Heute, am Sonntag dem zweiten Advent, habe wir eine Bootstour gemacht. Im Nicaraguasee gibt es vor Granada circa 360 kleine Inselchen, teilweise bewohnt, teilweise nicht, teilweise nur aus einem Baum oder einem Strommast bestehend. Kruemel (Foto) und Jan, zwei Freunde aus Muenster waren an diesem Wochenende in Granada und so liessen wir uns heute morgen gemuetlich von einem kleinen Boetchen zwischen den Insel herumfahren. Sehr entspannt.

Die Inseln sind meist in Privatbesitz, teilweise von recht wohlhabenden Leuten, die ein schickes Haus draufgebaut haben und aber nur die Ferien oder die Wochenenden hier verbringen. Aber auch bei diesen Exemplaren lebt meist noch eine Nica-Familie mit auf der Insel, die sich um das Haus kuemmert. Es gitb auch eine Schulinsel, eine Friedhofsinsel und eine Kircheninsel fuer die 2600-Koepfe-Bevoelkerung. Insgesamt fuehlte ich mich manchmal auch etwas an Lummerland oder Titiwu erinnert... sehr huebsch.

Der zweite Kreativtag
Heute nachmittag haben wir im Kulturzentrum wieder einen Kreativtag angeboten. Diesmal haben wir Instrumente gebastelt und toll gespielt, wieder diverse schoene Bilder gemalt und auf einer langen Waescheleine praesentiert und es gab wieder ein Puppentheater. Leider war die Aktion nicht so erfolgreich wie letztes Mal, weil wir einfach weniger Kinder getroffen haben. Aber Igor, meine kleine skurille gelbe Handpuppe, hatte auf jeden Fall seinen Spass und war ein toller Kommunikator.
Ein Kind hat ihm eine Hose gebastelt, damit er nicht so nackig rumlaufen muss.... =o)

Anstrengend war es auch ein bisschen, da drei Leuten mittendrin einfiel, sie koennten mal noch eben ein Puppentheaterstueck auf die Beine stellen, was sie auch geschafft haben, waehrend wir die Kinderschar nur noch zu dritt betreut haben. Und so toll war es leider am Ende nicht... Aber gut, fuer die Kinder war es ein schoener Nachmittag.

Schmunzeleien
Letzte Woche kam im nicaragueensen Fernsehen "Sister Act". Das wurde direkt mit einem genuesslich gemuetlichen Fernsehabend zelebriert. Unsere Gastmama hat sich koestlich amuesiert, Tobi hat sich ueber unsere Gastmama koestlich amuesiert und ich habe fein Spanisch gelernt. Obwohl ich mich gleichzeitig nicht mehr an meinen Text erinnern konnte. (Fuer alle, die es nicht wissen: Ich habe 2003 die Schwester Mary Roberts in der Produktion der Freilichtbuehne Porta gespielt und deswegen eine besondere Beziehung zu dieser Geschichte.) Ich war auch oefter verwirrt, weil ich zum Beispiel Friedies Gesicht erwartet hatte, und dann kam da ploetzlich ein anderes. Und auch der Vince sah ploetzlich wieder ganz anders aus als in meinem Gedaechtnis. Nur Conny, die war dabei!

Managua ist eine grosse Stadt und es gibt hier unglaublich viele Taxen. Und doch ist es passiert: Eines Morgens in der letzten Woche stand ich an der Strasse und winkte mir ein Taxi herbei, handelte den Preis ordentlich runter und fragte mich schon, warum der Fahrer so freundlich war. Dann sagte er schliesslich: Na, dann steig mal ein, Anneke.
"Ups- woher kennt der meinen Namen?" Und nicht nur meinen Namen, sondern auch, wie viele Geschwister ich habe, was ich mache und woher ich komme. Und als ich ihn naeher betrachtete viel mir auf, dass er mich in der Woche zuvor schon mal durch die Gegend gefahren hatte. Ein lustiger Mensch! Und eine lustige Fahrt zur Schule!
Adressen in Nicaragua sind eine Sache fuer sich. Dabei ist alles so nett quadratisch angeordnet und in vielen Staedten sind die Strassen sogar durchgezaehlt und beschriftet. Trotzdem denken sich die Menschen lieber lustige Adressbezeichnungen aus. Ein schoenes Beispiel: In Managua stand ein Baum mitten auf der Strasse, ob nun erst die Strasse da war oder erst der Baum weiss niemand so genau. Jedenfalls sagte man gerne: "Vom Baum auf der Strasse noch 2 Quadras nach Norden und dann links."
Eines Tages wurde der Baum gefaellt. Von da an hiess die Adresse: "Von dort wo der Baum auf der Strasse stand..."

Heute kann man leider nicht mehr sehen, wo dieser Baum stand, die Adresse heisst aber immer noch so. Taxifahrer sind ausserdem auch oft ueberfordert, weil es gerne auch mehrere Beschreibungen fuer einen Ort gibt, oder mehrere Orte mit aehnlicher Beschreibung. Aber bisher bin ich ueberall angekommen. 
Busfahren ist trotzdem meistens noch etwas witziger, weil die Busse hier nicht im Besitzt einer Firma sind, sondern im Privatbesitzt von Leuten, die sich dann anmelden und mit ihrem Gefaehrt bestimmte Strecken fahren.
Diese Busse sind oft ganz huebsch gestaltet, bin Speedy Gonzales Aufklebern, bunten Baendern und bunten Stangen, Bibelspruechen am Dach, kleinen Figuren, Blinkelichtern, lustigen Huptoenen,... So ist jeder Bus ein Unikat.

Mon, 27. Nov 2006 18:35:25 Geckos, Bohnen, Eiskaffee
Hola liebe Leute!
Jetzt endlich hatte ich mal Zeit und Strom und kann endlich meinen Bericht fertigstellen... Die Fotos folgen, da ich im Moment noch nicht raushab, wie ich die am geschicktesten schicke und die PCs gerade nicht so fit sind.
Darum erstmal viel, viel Geschreibsel....
Die deutsche Schule in Managua
• Die Casa de los tres mundos
• Ein paar kurze Eindruecke zum Schmunzeln

Die deutsche Schule in Managua

Diese Privatschule mit deutschem Schwerpunkt liegt ausserhalb der sehr haesslichen Hauptstadt Managua, erreichbar mit dem Taxi oder diversen sehr ueberfuellten Bussen. Eine weisse huebsche Mauer umgibt das Terrain, auf dem viele einstoeckige Gebaeude zwischen viel gruen und vielen Palmen stehen. Es ist ruhig, schattig, in jeder Klasse haengen Ventilatoren und in dieser huebschen Oase toben Kinder und Jugendliche von der 1. bis zur 11. bzw. 12. Klasse.

Es wird nicht wie in anderen deutschen Schulen nach deutschem Lehrplan unterrichtet. Es gibt auch nur einige Faecher in deutsch, Ausnahme sind die Deutschklassen in der Grundschule, die nur von deutschen Kindern besucht werden (in der 1./2. Klasse sind das immerhin 6 Kinder- ein wunderbares Klassenklima!). Die Nicas lernen in der Grundschule deutsch und ab der 5. Klasse werden die Klassen gemischt. Mathe wird ab der vierten Klasse fuer alle auf deutsch unterrichtet, was natuerlich nicht immer ganz glatt geht. So kommt es, dass ich durchaus auf Spanisch was erklaere, was auch schon erstaunlich gut klappt.
Musik ist komplett auf Spanisch, Lieder werden meistens in beiden Sprachen gesungen- zum Beispiel: Es ist fuer uns eine Zeit angekommen,...uebers schneebedeckte Feld, wandern wir. Sehr absurd, wenn draussen die Palmen im Winde wehen. Schade ist, dass es nur in der Grundschule Musikunterricht gibt. Den Grund dafuer konnte ich auch noch nicht so richtig rauskriegen.

Instrumente sind hier auch eher Mangelware, ausser Plastikblockfloeten und einem echt bloeden Klavier hab ich in der Schule noch keine gefunden. Da ist meine Mundharmonika echt ein Wertgegenstand. Auch im Matheunterricht gibt es wenig Anschauungsmaterial. (Fuer meine Mitstudierenden und Maike: Wuerfelgebaeude werden hier nicht gebaut, bevor sie gezeichnet werden... die komplette enaktive Ebene wird also mal eben ausgeblendet.) Das macht das Erklaeren nun nicht gerade einfacher. 

Ansonsten sind die Kinder hier nicht anders, gerne laut, gerne froehlich, gerne mal schnippisch und halt Kinder. Die Sekretaerin hingegen aehnelt eher eine Furie als einer Sekretaerin. An meinem ersten Morgen war sie die erste, die mir begegnete und das "guten Morgen" was mir entgegenschetterte war alles andere als freundlich und veranlasste mich beinahe, sofort wieder zu gehen. Aber dann kam zum Glueck gerade der Schulleiter. =o)

Die Lehrenden hier sind teils Nicas, teils deutsche. Es gibt sowohl Leute, die fuer 2 Jahre entsendet sind, als auch solche, die mal entsendet waren, denen es aber so gut gefaellt, dass sie verlaengert haben, oder aber direkt an der Schule angestellt sind. Sie sind mitunter sehr verrueckt und lustig, meist sehr jung oder junggeblieben und so macht es eine feine Atmosphaere im Lehrerzimmer. Im Unterricht merke ich derzeit leider nicht soviel von der jungen Frische. Das koennte aber auch durchaus daran liegen, dass die Ferien naechste Woche anfangen und einfach viel gespielt und gespasst wird.

Neben der Schule gibt es auch einen Kindergarten, in dem es eine deutsche Gruppe gibt und vier nicaragueense. In den Nica-Gruppen gibt es auch eine Art Deutschunterricht, mit viel Liedchen, Karl der Ente und Dagmar dem Dino und heute haben wir das Koerperteile- Lied gesungen. Letzte Woche gab es einen Sporttag, mit Volleyball, Basketball, Fussball, Schwimmen, Tanzen... und es war alles freiwillig und trotzdem haben allle mitgemacht. Sie konnten so ziemlich alles machen, wo sie Lust zu hatten, mit der kleinen Auflage, nicht einfach aufzuhoeren, sondern bis zum Ende mitzuspielen. Insgesamt auf jeden Fall eine tolle Stimmung und sehr abguckenswuerdig (wenn ich mich da so an meine Bundesjugendspiel- und Sporttag- Erfahrungen erinnere...)

Der Weg zur Schule ist immer etwas aufwendiger, weil ich aus Granada jeden Tag anch Managua fahre, da Managua einfach so haesslich und unbequem ist, dass ich dort nicht wohnen will... Die Entfernung entspricht der von Minden nach Bielefeld, allerdings mit dreimal umsteigen: Fahrrad (oder zu Fuss) - Mircobus - Taxi (oder wahlweise Bus und Bus). Busfahren kostet hier ca. 20 Cent, Taxifahren kann ich ab 50 Cent, zahle fuer ne Viertelstunde so 3,50 Euro, also den deutschen Startpreis. Gut, ich muss zugeben, dass hier eben einfach am Komfort gespart wird und die Zeit auch recht unkalkulierbar ist.
Taxifahrer nehmen zum Beispiel gerne mehrere Leute mit verschiedenen Fahrtzielen mit... Da lerne ich immer mal die Stadt kennen. Hier weitere Infos zur Schule

Die Casa de los tres mundos (Das Haus der drei Welten: Musik, Theater, Kunst)
Dies ist das Kulturzentrum in Granada, aufgebaut und finanziert von Dietmar Schoenherr, dt. Schauspieler. Es sind auch immer recht viele deutsche Leute hier zu Gange. Der Traegerverein "Pan y Arte" (Brot und Kunst) sitzt in Muenster. In der Casa gibt es vier Freiwillige und einen sehr engagierten Theatertypen, Carlos, mit denen ich ueber Tobi oefter mal zu tun habe.

Jetzt am Wochenende startete ein neues Projekt: Das Kreativmobil, erstmal unmobil am Kulturzentrum in der Stadt, spaeter hoffentlich auch mal in diversen anderen Stadteilen. Dies ist im Gegensatz zu vielen anderen DIngen in der Casa umsonst und richtet sich an alle Kinder und Familien, die gerade Spass dran haben.
Der Rest des Kulturangebotes richtet sich leider eher an wohlhabendere Leute. Neben dem Theater gibt es eine Musikschule und eine Freiwillige unterrichtet Flamenco, es gibt Ausstellungen, Vortraege und bestimmt noch viel mehr, von dem ich bisher nichts mitbekommen habe.
Das Kreativmobil war sehr schoen und auch in gewisser Weise kreativ: Wir hatten draussen Tische aufgebaut, wo die Kinder malen, Puppen basteln und Masken basteln konnten. Ausserdem wurde geschminkt, gespielt, es kam ein Maerchenerzaehler und spaeter wurde noch ein Puppentheaterstueck aufgefuehrt.
Insgesamt war alles sehr impromaessig und auch anstrengend, aber doch auch schoen. Fuer mich war es bischen bloed, dass ich kein Spanisch spreche und es deswegen unglaublich viel schwerer war, einen Draht zu den Kindern aufzubauen, als erwartet. Aber fuer die Kinder war es insgesamt bestimmt ne feine Sache.  
Infos zum Kulturzentrum

Ein paar kurze Eindruecke zum Schmunzeln
• Der Papagei von den Nachbarn hoert sich manchmal an wie Ina Krueckemeier, wenn sie lacht. (Bestellt ihr mal schoene Gruesse, wenn ihr sie seht...)

• In unserer Kueche wohnen kleine Geckos, die an der Decke festgesaugt sind, sich gerne mal kabbeln, aber nie runterfallen und sich morgends gerne mit unserem Papageien unterhalten.

• Der Nicaraguasee hat eine gefuehlte Wassertemperatur von 36 Grad, der Pazifik angeblich auch (da war ich nun noch nicht).
• Managua ist eine einmalig haessliche, unangenehme und chaotische Stadt. Ich wollte die Geruechte zunaechst nicht glauben, habe mich aber recht schnell selbst davon ueberzeugen koennen. Auch hier gilt: Falls ihr versucht, euch diese Stadt vorzustellen: Vergesst es, sie ist sowieso anders.

• Die Pulperia Margerita (eine Art Kiosk) bei uns um die Ecke wird von einer sehr tollen Familie gefuehrt. Der Papa versucht gerne, mir Spanisch beizubringen anhand seines Sortimentes, hat dann aber soviel Mitleid, dass ich mir nicht alles merken kann, dass er lieber einen kleinen Wettbewerb macht und er im Gegenzug Deutsch lernt.

Die Tochter spielt Klavier und die beide Kinder haben frueher im Kinderchor des ortsansaessigen Kulturzentrums ( s.o.) gesungen. So musizieren wir auch gerne mal des abends und Tobi zockt auch mal ne Runde Schach...

• zu allen angebrachten und unangebrachten Anlaessen werden hier kleine Bands engagiert (Blaeser oder Marimba, oder auch beides), die dann in herrlicher Lautstaerke lustig chaotisch jedoch immer sehr stimmungsvoll musizieren, z.B. beim Schulabschluss, beim Geburstag der Gastmama (da war eigentlich ein Auftritt um 5 Uhr morgens geplant, der aber "leider" auf Abends verschoben werden musste. 

• Partystimmung heisst hier meistens: Plastikstuehle, Plastikbecher, Neonlicht, laute Musik und diese ekelhafte Flackerlicht (Ausnahmen bestaetigen auch hier die Regel, so dass ich auch durchaus schon toll gefeiert habe, zum Beispiel in einem kleinen Laden hier in Granada, mit einem huebschen, verwinkelten Innenhof.

• Ich hab die Geruechte nicht geglaubt, aber viele Maenner hier sind doch recht flirtend unterwegs... hier ein Augenzwinkern, da ein netter Gruß – andauernd.

Kroenung war jedoch ein suesser Microbuschico (einer von den Typen, die im Microbus Leute und Geld einsammeln und immer "granna, massaya, granna, massaya" rufen, womit sie das Fahrtziel meinen), der mir sehr nett angeboten hat, dass ich ihn mal kuessen duerfte - ich habe dann aber doch dankend abgelehnt. =o)

• Zur Ernaehrung: Das Leitungswasser ist mit kleinen Chlortabletten versetzt sehr genießbar, so dass ich mir das Flaschenschleppen lieber spare. Es gibt auch Getraenke in kleinen Plastikbeuteln auf der Strasse zu kaufen, aber da bin ich mir nicht sicher, ob die entkeimt sind...

Nica-Essen ohne Bohnen gibt es nicht. Mindestens Bohnenmus ist dabei. Dafuer gibt es aber leckeren gebratenen Kaese, fritierte Kochbananen, Pommes aus echten Kartoffeln, rote Beete und wenn Tobi und ich kochen auch immer viel Gemuese. Obst gibt es auch in rauen Mengen und unschlagbar guenstig und frisch - Ananas, Mango, Bananen, Orangen.... mam. Der Kaffee ist auch super - vor allem der Eiskaffee, aehnlich hergestellt wie dieses Slush-Monsterzeugs, nur eben mit Kaffee. Nachmittags ein Hochgenuss! 

• Radfahren ist hier jedes Mal ein kleines Abenteuer: Licht, Klingeln, Reflektoren etc. werden hier fuer ueberfluessig gehalten, wichtig sind nur zwei Raeder, nen Lenker und ne Bremse- also immerhin mehr als Pippi Langstrumpf. In dem chaotischen Stadtverkehr gibt es kaum schlaglochfreie Strassen, Ampel, Verkehrsschilder, die allgemeine Beachtung finden oder gar ruecksichtsvolle Fahrer... Aber es funktioniert.

• Loecher zum reinfallen (man erinnere sich an meine Lochgeschichte aus Bosnien) gibt es hier diverse, die meisten sind allerdings nicht tief genug, als dass es sich lohnen wuerde. Dennoch gehe ich meistens eher vorsichtig durch die Gegend.

Und die unschoenen Dinge:
Um euch zu beruhigen, ich schwebe hier nicht immer auf Wolke sieben. Natuerlich gibt es durchaus auch unschoene Momente, zum Beispiel, wenn ich mal wieder kein Wort verstehe, nicht weiss, in welchem Bus ich gerade bin und nicht weiss, wo er mich hinbringen wird, wenn ich mit Blasen an den Fuessen durch unwegsames Gelaende laufen muss, weil die Alternative waere, alleine im Dunkeln umzudrehen oder wenn ich morgens aufwache und unser Zimmer einfach so unglaublich heiss ist, dass ich glaube, ich muss direkt in Ohnmacht fallen...

Das bessert sich jedoch, sobald ich das Zimmer einfach verlasse. Und erstaunlicherweise ist es draußen meistens noch etwas kuehler als im Haus. So, insgesamt gehoere ich aber derzeit vermutlich zu den Top 100 der gluecklichsten Menschen der Erde. Das tollste ist, das ich unglaublich viel Zeit habe und es auch egal ist, wann ich wo ankomme, weil alle anderen auch einfach dann kommen, wenn ihnen danach ist. 

Gehabt euch wohl! Anneke

Thu, 16. Nov 2006 15:53:55 Ich bin angekommen!

Hola y buenos dias! Bis zu dem Zeitpunkt als das Flugzeug in Amsterdam den Duesenantreib anschaltete und startete, hatte ich immer noch gedacht, es wuerde bestimmt was dazwischen kommen und ich wuerde hier sowieso nicht hinfliegen... da hab ich mich selbst mal bischen gelinkt =o)

Ich war sogar in Miami- wenn auch nur zum Iris- Foto machen lassen und Fingerabdruecke in die Kartei aufnehmen lassen. In San Jose wurde ich trotz meiner Bemuehungen von einer Meute Taxifahrer umzingelt, die mich des nachts gerne in irgendein Hotel fahren wollten. Ich wollte aber eigentlich kein Hotel, weil mein Bus schon um 5.30h losfuhr und es dann doch schon halb 2 war. Da mir die Situation aber zunehmend suspekt wurde, habe ich mich schliesslich einem oesterreichischen Paerchen angeschlossen und in einem schicken Hotel 4 Stunden gewartet. Immerhin gab es einen schicken Pool, aber leider durfte ich ihn des nachts nicht nutzen.

Schick auch die Hauptstadt Costa Ricas morgens um 6: da wurde es hell und ich sah, dass rundherum ganz schoen tolle Berge und diverseste Pflanzenarten den Weg saeumten, den wir im Bus zuruecklegten. Jose Jose, ein Schlagerstar, sorgte waehrend der Fahrt im Fernsehn fuer grandiose Unterhaltung. Die Perspektive des Musikvideos war so geschickt eingestellt, dass es immer so aussah, als ob der Schlagyzeuger dem Jose Jose auf den Kopf trommeln wuerde.

Ein netter Herr sprach sogar etwas englisch und half mir so ueber diverse Stolpersteine an der Grenze - mit Geld wechseln/ Wechselkurse aushandeln, Passformulare ausfuellen, mir erklaeren, wohin ich meinen Rucksack tragen muss und  warum der Bus einfach mal ohne uns weg faehrt und zwei Stunden verschollen bleibt (Polizeirazzia). Alles sehr spannend. Aber von der Grenze aus konnte ich schon einen Vulkan sehen, einen der beiden, die zusammen die Insel Ometepe im Nicaraguasee bilden. Der raucht auch immer mal toll und sieht sehr gigantisch aus! 

Kaum war ich schliesslich in Granada aus dem Bus gestiegen, umsaeumten mich schon wieder diverse Taxistas. Diesmal war ich aber ganz dankbar, denn der Bus haelt nicht etwa an einem zentralen Busbahnhof, sondern irgendwo an einer Strassenecke, die ich in meinem Stadtplan nicht auf Anhieb fand. Tobi hatte zuvor schon zwei Stuendchen hier auf mich gewartet, leider wegen der Turbulenzen an der Grenze nicht lange genug... Der Taxifahrer kannte leider auch die Adresse nicht, so dass es ein lustiges Durchgefrage war, was im Endeffekt nicht mal einen Euro gekostet hat. Aber schliesslich haben wir uns dann doch gefunden und uns fein gefreut.

In Tobi Gastfamilie ist es auf jeden Fall sehr herzlich und lustig und die beiden Schwestern die dort mit ihrer Mutter wohnen sind richtige Frohnaturen. Desweiteren gehen immer mal Leute ein und aus, wo auch Tobi nicht weiss, wer sie sind. Aber gut, hier gibts Bett, Dusche und Kueche und Kuehlschrank und somit alles, was erstmal wichtig ist.

Heute bin ich mit in der Theaterschule, wo Tobi gerade im Garten "Bunny- Bunny" und "Hip-Hop- Zoom" zum aufwaermen (ha,ha) spielt. Nett zu sehen, wie die Jungs auf die mir so vertrauten Spiele anspringen.
Falls jetzt jemand von euch versucht, sich vorzustellen, wie diese Schule so ist, dann macht euch keine Muehe, sie ist sowieso anders! Aber es gibt einen huebsch tropisch anmutenden Garten, ein kleines Paradies in diesem etwas abgelegenen Stadtviertel von Granada (hier sind die Strassen dann auch nicht mehr geteert und Autofahren waere bei Regen sicherlich eine Schlammschlacht).

Diese Theaterschule ist ungefaehr so organisiert: (diejenigen, die auch Tobis Mails bekommen, koennen gerne ueberspringen) Es leben hier so 8 Jungs, die vormals ohne Heimat auf der Strasse gelebt haben. Sie haben hier kleine Zimmer, einen PC- Raum, den ich gerade auch nutzen darf, gehen morgens zur Schule, mittags kocht eine nette Frau fuer sie und danach proben sie Theater und Akrobatik. Tobi uebernimmt im Moment die theatralische Arbeit, waehrend Nele, eine andere Freiwillige aus Lemgo, den Akrobatikteil uebernimmt. Tobi probt im Garten, Nele in ihrer Unterkunft in der Stadt, also eben da, wo gerade mal Platz ist- bisschen impromaessig. Ziel ist gerade, ein Stueck zu erdenken und zu gestalten, welches im naechsten Jahr auf der Kinderkulturkarawane in Deutschland zu sehen sein wird. Thema, was sich die Jungs erdacht habe: Korruption.

Es ist schon sehr spannend, zu sehen, mit welchen Mitteln hier so gearbeitet wird. (Gerade hat mir die nette Kochdame einen echten nicaragueensen Kaffee gebracht- nicht zu vergleichen mit dem aus unserer muensteraner Kaffezaubermaschine) In den naechsten Tagen bleibe ich jetzt erstmal in Granada, hierher werde ich auch immer mal wieder zurueckkommen. Erstmal gibt es jetzt noch viele Leute zum kennenlernen und viele Kleinigkeiten zu erkunden. Spater werde ich dann hier noch eine Sprachkurs machen und hier und da etwas hospitieren. Ab Montag bin ich erstmal in der Hauptstadt Managua und hospitiere dort in der deutschen Schule- naechste Woche gibt es also vermutlich etwas spannendere Dinge zu berichten!

Aber erstmal bin ich hier, mitten in den Tropen, in der Naehe von Vulkanen und wundere mich immer mal wieder, wann ich denn wohl aus meinem Traum aufwache =o)

liebe Gruesse! Anneke

(c) Aiga Kornemann • fon 0521.122769 • ak@owl-kreativ.de • Stand: September 2011